10-05-10
Ein Resultat, das unter die Haut geht
Schwarzenbek (jns) – Er hatte einst eine junge Geigerin auf einem deutschen Fernsehsender in einer Dokumentation gesehen. Sie spielte auf einem öffentlichen Platz in der Ukraine, um mit dem wenigen Geld, das in ihrem Hut landete, irgendwie ihr Musikstudium zu finanzieren. Diese Bilder hatten ihn bewegt – bewegt dazu, etwas zu unternehmen. Er machte sich auf die Suche nach einem Verein, der junge musikalische Talente in der Ukraine unterstützte, und wurde fündig. So kam es zur Gründung der deutschen Sektion des Vereins »Legato«. Denn Carl-Heinz Johanning stieß nur auf den Schweizer Verein und sah so keine Möglichkeit, sich als Deutscher effektiv am Spenden zu beteiligen.
In Deutschland hat der Verein mittlerweile gerade einmal ein Dutzend feste Mitglieder. Das Konzept ist folgendes: In der Stadt Odessa am Schwarzen Meer steht ein Gymnasium, das parallel Schule und professionelle klassische Ausbildung anbietet. Es ist eine Schule mit eingegliedertem Internat, aber bei entsprechender Begabung frei für jedermann. Die musikalische Ausbildung gleicht der an entsprechenden Universitäten und wer mit Abschluss von der Schule in Odessa abgeht, hat oft großes Talent und Erfahrung, kann sich aber kein Studium leisten, um sein jeweiliges Instrument tiefergehend zu studieren.
Und an dieser Stelle kommt der Verein ins Spiel. Gegründet von Werner Schmitt, Bundesverdienstkreuzträger und langjähriger Mitarbeiter des Musikkonservatoriums in Bern, stellt der Verein »Legato«, was in der Musik so viel wie »Verbindung« bedeutet, begabten Abgängern der Schule in Odessa Stipendien für die Verbindungsuniversität Bern, finanziert diese zum Teil selbst und vermittelt Paten, die diese Stipendien tragen. In der Schweiz hat der Verein etwa 120 Mitglieder, in der Ukraine circa 40.
Zwei Beispiele für solche begabten jungen Menschen, denen der Verein helfen kann, sind der virtuose Violinist Aleksey Semenenko, der mittlerweile in Köln studiert, und die geniale, gerade mal 20-jährige Pianistin Olga Zadorozhnyuk, die in Bern studiert. Eigens zu Ehren des Gründers der deutschen Sektion kamen sie nun für ein Konzert im Amtsrichterhaus in den Norden geflogen. Der überschaubare, aber für solche Veranstaltungen in punkto Größe, Klang und Ambiente ideale »Schwarzenbeker Salon« im Amtsrichterhaus war mit etwas mehr als 40 Klassik begeisterten Zuschauern so gut wie ausverkauft.
Und die Zuhörer kamen auf ihre Kosten. In nur zwei Tagen Vorbereitungszeit hatten die beiden jungen Musiker ein mehr als zweistündiges Programm einstudiert, an das sich auf Bitten und stehende Ovationen des Publikums hin, mehrere Zugaben anschlossen. Sie präsentierten ihr ganzes Können und Musik, die unter die Haut ging. Im Mittelpunkt standen Brahms und Chopin, die beide auf sehr emotionale und gleichermaßen perfektionistische Art und Weise dargeboten wurden.