05-12-06
Ein Dienstleistungsunternehmen im Bereich Kultur
Die Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh feiert ihr erstes Jubiläum: Seit zehn Jahren arbeiten die Historiker im ehemaligen Bahnhofsgebäude.
Dr. Michael Epkenhans, Geschäftsführer der Stiftung, erinnert sich an die Anfangszeit: »Das Gebäude war verfallen, wo jetzt die Bibliothek untergebracht ist, klafften große Löcher, es bestand Einsturzgefahr.« Davon ist heute nichts mehr zu merken. Hell und großzügig erscheinen die Räume. Im Erdgeschoss ist die Dauerausstellung »Otto von Bismarck und seine Zeit« untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich Büros, die Bibliothek und ein Ausstellungsraum.
Ein Rückblick auf zehn Jahre Stiftungsgeschichte bedeutet auch, eine Menge Zahlen zu nennen: Neun feste Mitarbeiter beschäftigen sich damit, bestehende Lücken in der Bismarck-Forschung im Rahmen intensiver, interdisziplinärer und methodisch vielfältiger wissenschaftlicher Forschung zu schließen. Insgesamt 29 Hefte der »Friedrichsruher Ausgabe« sind bisher erschienen, dazu fünf Bände der Wissenschaftlichen Schriftenreihe – weitere sind in Arbeit. Demnächst erwarten die Historiker den 100.000 Besucher in Friedrichsruh.
»Ich bin stolz, dass wir es geschafft haben, ein Dienstleistungsunternehmen im Bereich Kultur zu sein«, freut sich Michael Epkenhans. »Wir haben in den zehn Jahren im Team viel erreicht.« In Friedrichsruh herrscht eine besondere Atmosphäre. Vielleicht liegt es an der Kombination von Historie und moderner Gestaltung (sowohl im Gebäude als auch in der Ausstellung), dass Besucher hier nicht auf staubtrockene Daten und Dokumente, sondern auf lebendige Geschichte treffen. Ein Schwerpunkt in der Arbeit der Historiker liegt im Kontakt zu Schulen und Universitäten und in der museumspädagogischen Arbeit. Regelmäßige Besuche von Schulklassen, Zeitzeugengespräche mit wichtigen Politikern und Einblick in das umfangreiche Archiv – all das gehört zum Alltag im ehemaligen Bahnhofsgebäude.
Dr. Michael Epkenhans dankte den Bürgern aus Aumühle und Umgebung, ebenso Bürgermeister Dieter Giese und den kulturellen Vertretern.
Und auch um die Finanzen ist es gut gestellt. Die Arbeit der Historiker wird honoriert, die Stiftung ist gut ausgestattet, mit Prof. Dr. Ulrich Lappenküper kam vor einem Jahr ein zweiter Wissenschaftlicher Mitarbeiter ins Team, und die Herausgabe der Editionen wird zum Beispiel von der »Zeit-Stiftung« finanziell unterstützt. Dank geht auch an den Förderverein der Stiftung, der in vieler Hinsicht Unterstützung bedeutet, und an die studentischen Hilfskräfte, die wertvolle Arbeit leisten.
Nach Highlights der vergangenen Jahre gefragt, nennt Epkenhans drei Namen: Die Besuche von Henry Kissinger 1998, Johannes Rau 2004 und Helmut Kohl 2006 waren besondere Anlässe. »Aber ich habe hier im Laufe der Jahre sehr viele interessante und interessierte Gäste begrüßt«, so der Geschäftsführer.