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04-03-08

Meisterdetektiv an den Kirchenbüchern

 


Bislang musste Stadtarchivar Christian Lopau dicke Bücher wälzen – nun hilft eine übersichtliche CD. Foto: Inga Kronfeld

Mölln (ik) – Ein großes Werk ist vollbracht: Möllns Bürgerdaten aus den Jahren 1649 bis 1899 sind erfasst – in mehr als 31.000 Datensätzen.
Otto-H. Winkelmann, Kriminaldirektor a. D. und Diplom-Verwaltungswirt, befasste sich in mühevoller Kleinarbeit mit der Geschichte der Möllner Familien und hat die Familienverbände der gesamten Stadt in dieser Zeit komplett archiviert.

250 Jahre Stadtgeschichte und damit alle Personen, die während dieser Zeit in Mölln gelebt haben, sind nun erfasst. Ein Schatz für Ahnenforscher. Winkelmann suchte nach seiner Pensionierung 1993 nach einer sinnvollen Aufgabe. Was lag ihm, fragte Winkelmann sich und kam auf die einfachste Idee: »Was hab ich denn als Kriminalist mein Leben lang gemacht? Recherchiert und Daten zusammengetragen.«

Seine Idee, historische Kirchenbücher zu sortieren und zu katalogisieren, stieß bei der Kirche zunächst auf Ablehnung, doch durch den Kontakt mit Stadtarchivar Christian Lopau wurde aus der konkreten Idee ein genauer Plan und Kriminalist Winkelmann begann Herbst 1994 mit seiner Arbeit. In den Abschriften der Möllner Kirchenbücher haben die Möllner Pastoren die Taufen, Eheschließungen und Beerdigung der Einwohner Möllns festgehalten, und Winkelmann hatte sich zum Ziel gesetzt, die einzelnen Einträge mit Unterstützung der EDV familienweise zu ordnen, um Familienforschern einen schnelleren Zugang zu den gewünschten Informationen zu verschaffen. Doch diese Recherche war nicht ganz einfach – das geht schon aus der langen Zeit hervor. Immerhin brauchte es dreizehn Jahre. Sicher wäre es schneller gegangen, wenn Winkelmann nicht zwischendurch von einer schweren Krankheit heimgesucht worden wäre, doch die große Aufgabe half ihm auch durch diese für ihn schwere Zeit.

Winkelmann über seine Arbeit: »Es war sehr spannend und aufschlussreich. Es gab Frauen, die hatten vierzehn Kinder und alle lebten, und dann gab es wieder Mütter von acht Kindern, bei denen keines überlebte.« Doch auch Weiteres hatte der Meisterdetektiv entdeckt: »Ganz auffällig war, die fruchtbarsten waren die Schuster und die Bäcker – weil die wohl immer eine warme Stube hatten...«

Die Pastoren haben damals sehr große Unterschiede gemacht. So wurden beispielsweise bei Geburtsanzeigen von wohlhabenden Familien komplett alle Namen notiert und bei armen oder Arbeiterfamilien nicht einmal der Name der Mutter. Auch, dass die Pastoren es mit der Schreibweise »... nicht immer so genau genommen haben«, erschwerte die Arbeit. Burmeister, Burmester – ein Name, der Winkelmann an den Rand der Verzweiflung brachte – drei Kinder wurden mit »ei« zwei weitere nur mit »e« eingetragen. Da half nur die genaue Suche durch alle Familien weiter: Ein Vater konnte nicht nach vier Monaten ein zweites Kind mit ein und derselben Frau eintragen lassen, also ist die Familienzugehörigkeit oder der Name falsch... eine Sisyphusarbeit.

250 Jahre einer kompletten Stadt archiviert, das sei nicht nur für Familienforscher, sondern sicher auch für Ärzte interessant, so Winkelmann. Ein begeisterter Sven Michelsen, der als erster stellvertretender Bürgermeister die wertvolle CD entgegennahm: »Da war der richtige kriminalistische Geist gefordert.«



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