01-07-08
Möllner Sozialforum - Kinder mit »Hartz IV« unter der Lupe
Mölln (ik) – Das Möllner Sozialforum ist ein für alle offenes Forum, das die Möglichkeit bietet, sich auszutauschen, Probleme zu analysieren, nach praktischen Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen und über gesellschaftliche Werte, Alternativen und Perspektiven nachzudenken. Arbeitslosigkeit, Altersarmut, Werte-Verlust und Politikverdrossenheit sind Schlagworte, dem sich die Mitglieder des Sozialforums entgegenstellen wollen. »Deshalb wollen wir für Mölln und Umgebung die von diesen negativen Entwicklungen direkt Betroffenen und die sich mit diesen Tendenzen aktiv auseinandersetzenden Bürger, Gruppen, Initiativen und Organisationen bei uns in Mölln zusammenführen«, ist auf dem Flyer des Sozialforums zu lesen.
Besonders im Fokus steht »Leben mit Hartz IV«. Das Sozialforum hat einmal aufgeschlüsselt, was es für Betroffene bedeutet und hat anhand von ARGE und Stadtverwaltung ermittelten Zahlen folgende Ergebnisse zutage gebracht: 2.705 Kinder bis zu fünfzehn Jahren leben in Mölln. Davon leben laut ARGE 642 Kinder in sogenannten »Bedarfsgemeinschaften« (ALG II / Hartz IV). Weitere vierzig leben in Familien, die Sozialhilfe beziehen. Im Klartext heißt das, dass 682 Kinder (25 Prozent), also jedes vierte Kind, in Hartz IV-Armutsverhältnissen lebt. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei vielen politisch Aktiven besteht kaum eine realistische Vorstellung darüber, was das bedeutet. Ein Beispiel des Sozialforums soll deutlich machen: Eine Familie mit zwei Kindern, neun und vierzehn Jahre alt, Vater Alleinverdiener und seit zwei Jahren arbeitslos und Probleme, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Laut Regelsatz bekommt jedes Elternteil 312 Euro, das jüngste Kind 208 Euro, das ältere 278 Euro. Das monatliche Kindergeld zählt als Einkommen und ist in den Regelsätzen enthalten. Heiz- und Mietkosten werden von der ARGE übernommen.
Damit bleiben der Familie 1.110 Euro zum Lebensunterhalt. Alles Notwendige muss von dieser Summe bezahlt werden. Lebensmittel, Kleidung, Strom, Praxisgebühren und vieles mehr. Für die Kinder auch die Schülerbeförderung und Schulmaterialien. Hier wird deutlich, was das im praktischen Alltag bedeutet. Als Quintessenz errechnet das Sozialforum, dass einem Kind gerade mal 2,71 Euro pro Tag zur Verfügung steht. Damit ist eine gesunde Mischkosternährung nicht möglich. Nach Berechnungen des Forschungsinstitutes für Kinderernährung in Dortmund kostet der tägliche Lebensmittelbedarf für ein elfjähriges Kind gegenwärtig 5, 71 Euro. Für Schulmaterialien sind 1,31 Euro pro Monat gerechnet – und Schuhe? Ganze 32 Euro pro Jahr. Das Möllner Sozialforum wendet sich gegen politisch verordnete Familien- und Kinderarmut, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit und unterstützt alle Bemühungen zur Sicherung einer sozialen und gerechten Gesellschaft. Für Horst Grünwald (Verein Miteinander Leben) »... ein Thema, das die Gesellschaft beschäftigen muss.«