21-12-09
"Wenn Schulden Mauern bauen..."
Mölln (vd) – Die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes bietet Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, eine kostenfreie Beratung und Unterstützung. Die Möllner Stelle, deren zwei Berater regelmäßig die Außenstellen Schwarzenbek und Nusse betreuen, arbeitet am Rande ihrer Kapazität. Die Zahl der Ratsuchenden steigt jährlich, 2008 um mehr als 100 auf 897 Menschen.
Mitglieder aller Altersgruppen suchen um Rat, das Gros ist konzentriert in der Altersgruppe der 30– bis 50-jährigen. Während die ganz Jungen häufig in die Handyfalle tappen oder sich für ein Auto, oft sogar einen Neuwagen, massiv verschulden, können die Auswirkungen von Scheidung oder Trennung 30– bis 50-jährige an den Rand des Abgrunds stoßen. Der Auszubildende wird nach dem Abschluss wider sein eigenes Erwarten nicht übernommen. Die Älteren können Immobilienkredite und andere längerfristige Kredite nicht mehr bedienen. Bei ihnen kommt als Ursache oft der Verlust des Arbeits-platzes hinzu. Viele berechnen ihre Ausgaben zu knapp. Die meisten Schuldner haben keinen genauen Überblick über ihre Ausgaben. Da werden beispielsweise Ausgaben, die quartalsweise oder jährlich anfallen, nicht anteilsmäßig pro Monat berücksichtigt. Auch wird kein Puffer für unvorhergesehene Zeiten in der Finanzplanung mit berechnet. Die in Not Geratenen kaufen zu viel auf Kredit, dessen Raten fixe Ausgaben darstellen, die sie bei Arbeitsplatzverlust nicht einfach herunter drehen können. Der Wiederverkauf des auf Kredit angeschafften Gegenstandes kann nur mit hohem finanziellen Verlust erfolgen oder gar nicht wie bei Möbeln. Eine auf Pump durchgeführte Reise kann nicht ungeschehen gemacht werden. Sorglos geht manch einer eine Bürgschaft für den Lebenspartner ein, die vielleicht nach Jahren in Anspruch genommen wird, wenn der Partner gar keiner mehr ist. »Wer bürgt, wird erwürgt«, sagt Bettina Heisel.
Was rät Bettina Heisel den Betroffenen? »Zunächst einen Haushaltsplan erstellen und den laufenden Haushalt in Ordnung bringen, damit keine neuen Schulden entstehen. Die Ausgaben lassen sich leichter reduzieren als die Einnahmen erhöhen.« Für die Erstellung des Haushaltsplans steht die Beratungsstelle den Ratsuchenden unterstützend zur Seite ebenso wie für Verhandlungen mit den Gläubigern. Kann der Schuldner Beträge, die in einer Summe fällig sind, in Ratenzahlungen begleichen, können Ratenzahlungen gestreckt werden? Bevor es tatsächlich in die private Insolvenz geht, verlangt das Insolvenzverfahren den Versuch einer Einigung. Der Regelung müssen sämtliche Gläubiger zustimmen. Kommt es zu keiner Einigung, erstellt die Schuldnerberatungsstelle die Bestätigung für den erfolgten Versuch, der Voraussetzung für den Antrag auf ein privates Insolvenzverfahren ist.
Die Prävention ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Bettina Heisel und ihrem Kollegen Frank Tews. Für Schulen haben die beiden ein Spiel entworfen »Ein x Eins – Augen auf im Geldverkehr«. Die Schüler entscheiden über die Verwendung des ihnen zugelosten Einkommens. Auch Kredite können sie aufnehmen. Ereignisse – durch Ereigniskarten gezogen – bringen die Planung durcheinander und zwingen die Schüler zur Anpassung des Haushaltsplans. Lässt sich dies realisieren angesichts der unterschriebenen Kredite und Verträge?
Die Beratungsstelle befindet sich am Wasserkrüger Weg 7 im Adolph-Hoeltich-Stift in Mölln. Telefon: 04542 – 824 758. Offene Sprechzeiten am Donnerstag von 9 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr. Für andere Zeiten ist eine Terminvereinbarung möglich.