abstandshalter abstandshalter Kurt Viebranz Verlag - gut aufgelegt seit 1961
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02-02-07

Geschichte, Geheimnisse,Verschollenes

 


Stadtarchivar Christian Lopau

Wichtig: Das Hygrometer wacht über die Luftfeuchtigkeit.

Aktien aus Amerika

1923: Fünfzig Millionen Mark-Scheine aus der Inflation. Fotos: Inga Kronfeld

Mölln (ik) – Kalte Kellerräume, grelles Neonlicht, meterweise deckenhohe Regale und staubige Papiere – Aktenstapel, die im Wege herumstehen, und ansonsten ziemlich ungemütlich: Das ist die Vorstellung eines Archivs. Das Mitte der 1920er Jahre errichtete Stadtarchiv Mölln ist nicht so. Zunächst einmal ist es nicht im Keller, sondern seit 1989 hoch über den Dächern Möllns, im Dachgeschoss des Stadthauses. Kaltes grelles Licht? Ja, hell ist es, aber warm und gemütlich. Die Wände zieren unter anderen Bilder des Möllner Malers Max Ahrens und machen das Archiv richtig wohnlich. Natürlich gibt es auch hier meterweise hohe Regale und staubige Papiere, aber es ist nicht das, was vorherrscht.

Vorherrschend ist zunächst einmal der freundliche Empfang des Stadtarchivars Christian Lopau. Nach einer kurzen Erklärung (»...1992 wurde eine Archivgemeinschaft mit der Stadt Ratzeburg gegründet und seit dem Jahr 2002 wird auch die Archivgemeinschaft Breitenfelde, die die Ämter des nördliches Kreises Herzogtum Lauenburg umfasst, von der Archivgemeinschaft Mölln-Ratzeburg aus betreut. Die Bestände des Archivs reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Neben separat verzeichneten Justiz-, Testaments-, Schul- und Pfarrakten verfügt das Archiv über eine umfangreiche Archivbibliothek und eine beachtliche Sammlung von Fotos und Dokumenten zur Stadtgeschichte«) folgt ein geradezu atemberaubender Rundgang. Hier gibt es nichts, was einen nicht in Staunen versetzt: Die Schenkung eines ganzen Dorfes ist hier urkundlich festgehalten. Elena von Sachsen schenkt unter Einwilligung ihrer zwei Söhne der Stadt Mölln das Dorf Gülzow. Natürlich in Latein geschrieben, auf Pergament und versiegelt.

Ein Stückchen weiter in der Bibliothek Editionsbücher sämtlicher Urkunden. Hier ist das Ganze in Deutsch erklärt und für jedermann lesbar. Lopau hievt einen dicken Wälzer aus dem Regal: In diesem ledergebundenen, überdimensionalen Buch sind die gesamten Grundstücksgeschäfte der Stadt Mölln aus dem 18. Jahrhundert aufgezeichnet. Spannend, wer kaufte wann was? Alles nachvollziehbar. Eine Wohnungsakte kurz nach dem Krieg enthält eine Beschwerde bezüglich der Flüchtlinge »... gegen meinen Willen einquartiert...« Historische Wertpapiere, Alte Aktien, Notgeld, einige Ausgaben der »Möllner Tageszeitung« und noch vieles mehr ist hier im Stadtarchiv zu finden.

Wozu – wen interessiert das noch? Es sind die Wurzeln der Stadt Mölln und ihrer Bewohner. Viele Besucher hat Lopau hier oben. An manchen Tagen zehn, manchmal kommen auch nur zwei oder ganze Schulklassen, die sich informieren. Dieses Archiv ist eine Fundgrube für Schüler, Studenten, Architekten, Familienforscher – einfach für jedermann, die etwas über die Geschichte erfahren wollen. Nach dem 1992 erlassenen schleswig-holsteinischen Archivgesetz haben alle Personen das Recht, das Archivgut nach Maßgabe dieses Gesetzes zu nutzen.

Das Stadtarchiv ist geöffnet am Dienstag von 8 bis 12.30 Uhr und am Donnerstag von 10 bis 12.30 und von 15 bis 18 Uhr. Es empfiehlt sich eine vorherige Terminabsprache unter 04542 / 803 – 251 oder 0151 / 55 11 73 71.



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