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10-07-09

Neu: Post-Polio-Gruppe bei KIBIS

Gemeinsam gegen die Spätfolgen der Kinderlähmung


Eva-Maria Goldt-Klimkeit und Susanne Urdahl von KIBIS in Mölln.Foto: Christa Möller

Mölln (ml) - Sie fühlte sich ständig müde und erschöpft, fiel immer häufiger hin. Doch es dauerte einige Zeit, bis die Ursache feststand. 1997 erfuhr Eva-Maria Goldt-Klimkeit, dass sie am Post-Polio-Syndrom erkrankt ist. Die auch vielen Ärzten noch relativ unbekannten Spätfolgen der Kinderlähmung treten oft erst 15 bis 40 Jahre später auf. »1969 gab es die letzte Epidemie hier, obwohl es da schon die Impfung gegeben hat«, weiß Eva-Maria Goldt-Klimkeit. Damals wurde noch die Schluck-Impfung verabreicht, die die Krankheit in abgeschwächter Form auslösen konnte. »Jetzt geht das mit einem Pieks«, sagt Eva-Maria Goldt-Klimkeit, die sich selbst, obwohl betroffen, auch impfen lässt, da es drei unterschiedliche Polio-Viren gibt. Zehn Jahre bietet die Impfung Schutz. Denn die Krankheitserreger könnten immer noch aus anderen Ländern eingeschleppt werden.

Polio (Poliomyelitis anterior acuta oder spirale Kinderlähmung) tritt überwiegend in den Sommermonaten auf und fängt an wie eine Grippe. Nach kurzer Besserung folgen hohes Fieber und Hirnhautentzündung. Nach neun Wochen Quarantäne besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. »In den nächsten ein bis zwei Jahren gehen bei ganz vielen Erkrankten die Lähmungen wieder zurück«, schildert Eva-Maria Goldt-Klimkeit den Krankheitsverlauf, der vielen Betroffenen ein relativ normales Leben ermöglicht - bis sich Spätfolgen wie Muskelschwäche, Schulter-Nacken-Probleme, Schmerzen, Atemprobleme bemerkbar machen. Heute ist die Erzieherin nicht mehr arbeitsfähig. »Unser ganzes Leben geht kaputt«, sagt sie, »das ist auch schwer für unser Umfeld.« Aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen und vor zwölf Jahren in Lübeck eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, deren Einzugsbereich sogar Fehmarn, Bad Bramstedt und Plön umfasst. Inzwischen ist sie nach Berkenthin gezogen und hat jetzt auch in Mölln eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Die Treffen sind immer am letzten Donnerstag im Monat bei KIBIS (Kontakte, Information, Beratung im Selbsthilfebereich) in Mölln am Wasserkrüger Weg 7. Die Teilnehmer sind zwischen vierzig und achtzig Jahre alt.
»Selbsthilfe bedeutet, dass wir uns miteinander austauschen - aber nicht rumjammern«, sagt Goldt-Klimkeit. In der Selbsthilfegruppe bekommen Sie Tipps über den Umgang mit Ärzten, Ämtern und Therapeuten, und erfahren, welche Hilfsmittel es gibt. Die Teilnehmer machen Ausflüge und können an Seminaren mit Fachkräften teilnehmen.

Am 7. November wird die Gruppe am Selbsthilfe- und Gesundheitstag in der Turnhalle an der Berliner Straße in Geesthacht teilnehmen.

Weitere Infos über die Post-
Polio-Gruppe bekommen Sie bei Eva-Maria Goldt-Klimkeit, Tel. 04544 - 89 06 03, oder bei KIBIS unter Telefon 04542 - 905 92 50. Aufgrund einer hohen Dunkelziffer wird vermutet, dass es in Deutschland etwa 60.000 Betroffene gibt, die schon einmal an Polio erkrankt sind.



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