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09-05-07

Auf den Spuren der Vergangenheit

 


Stadtarchivar Christian Lopau und Carina Gall (HLMS Erlebnisreich) erklärten die Route zu Beginn der rund zweistündigen Fahrradtour.

Weiter geht's zur nächsten Station. Fotos: Inga Kronfeld

Mölln (ik) – Mit dem Fahrrad lang vergangenen Zeiten hinterher. Im Rahmen der Themenwochen bietet das Tourismus und Naturzentrum »Erlebnisreich« eine besondere Radtour für alle Fans der Möllner Geschichte, bei der Stadtarchivar Christian Lopau zu Denkmälern, Grenzsteinen, früheren Kureinrichtungen und Orten historischer Schlachten führt.

Die Tour erstreckte sich über knapp zwanzig Kilometer und dauerte etwa zweieinhalb Stunden – aber sie hatte es in sich: In Richtung Schmilau, den Berg hinauf, die anstrengendste Strecke der Tour, führt die Route zu den Resten der etwa sechs Kilometer langen mittelalterlichen Landwehr zwischen dem Ratzeburger Küchensee und dem Möllner Hegesee. Hier wurde 1350 ein Wall mit beidseitig tiefen Gräben errichtet, um die Raubüberfälle mecklenburgischer Adliger auf die Handelswege der Lübecker zu verhindern. Am Durchlass der Zollstelle in Fredeburg kam es immer wieder zu Kämpfen.

Im gleichen Waldstück befindet sich auch der Denkmalshain im Hohen Holz. Wem fällt es auf, der mit dem Auto die Schmilauer Straße aus der Stadt herauskommt oder den Berg hinunter und den Blick schon auf die Kreuzung richtet? Gleich vier Denkmäler stehen dort im Wald. Das Hanseatendenkmal, 1865 errichtet, und das Grab der hanseatischen Legion, die an die Freiheitskriege 1813/14 erinnern.

Das Landeskriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges und das Denkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges, das 1925 eingeweiht wurde. Den Berg hinunter geht es nun zum künstlich angelegten Mühlengraben, der einst die Stadtmühle mit Wasser versorgte. Die Feldbäckerei verdankt ihren Namen nicht dem Zufall, denn hier wurde während der napoleonischen Zeit Brot für in Mölln stationierte Truppen gebacken. Das Denkmal des Lauenburgischen Jägerbataillons erinnert an die spätere Nutzung als Exerzierplatz. Danach auch als Festplatz fürs Vogelschießen eine Kindergaudi, die vor vielen Jahren sehr populär war und immer wieder für Aufmärsche und auch als Kurpark. 1954 fertigte Karlheinz Goedtke das Ehrenmal mit Wappen der ehemaligen ostdeutschen Provinzen, das an Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Was ist die Hermannsquelle? Entdeckt durch den Stabsarzt Dr. Hermann Jacubasch im Jahr 1881 und ihre Wasseranalyse stehen zu Beginn der Möllner Entwicklung zum Kurort. Seit 1887 war die heute weitgehend versiegte Quelle verpachtet. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden in der hierfür errichteten Mineralwasserfabrik jährlich rund fünfhunderttausend Flaschen Möllner Tafelwasser abgefüllt. 1893 wurde auf dem Platz der jetzigen Föhrenkamp-Klinik das Möllner Kurhaus gebaut. Die Franzosenschanze im Möllner Wildpark wurde 1321 bei einer Belagerung Möllns als Wehrburg angelegt, die 1813 von napoleonischen Truppen wieder genutzt wurden.

Am Ausfluss des Schmalsees lag im Mittelalter die Pinnauer Mühle, die mit dem gleichnamigen Dorf der Stadt Mölln übereignet und später stillgelegt wurde. Am 1801 errichteten Stauwehr wurde 1889 eine feste Brücke errichtet. Ganz in der Nähe findet man das traditionsreiche Ausflugslokal »Waldhalle« – damals eine wirklich rustikale Holzhalle-, das schon 1894 in einem Touristenführer als »einen der schönsten Punkte Schleswig-Holsteins« gerühmt wurde. Lütau bringt etwas Verwirrung, denn 1230 wird dieses Dorf erstmalig erwähnt. Es lag am Südwestufer des Lütauer Sees und fand sein Ende vor dem siebzehnten Jahrhundert. Auch hier ein Denkmal: Das Lützow-Jahn-Denkmal von 1902. Turnvater Jahn nahm hier an den Kämpfen des Lützowschen Freikops (1813) teil.

Über die Bahnlinie Mölln-Hollenbek (1899 bis 1959) geht es weiter an die Grenzen Möllns. Einhundertfünfzig Grenzsteine, die mit der Möllner »Haue« (Mühleisen) gekennzeichnet und nummeriert sind, kann man noch heute entdecken. Nicht zu vergessen die »Muna«. Der genaue Name »Heeresmunitionsanstalt« lässt Zeit und Umstände schon erkennen. Auf 210 Hektar, mitten im Wald, entstand im Zuge der Wiederaufrüstung nach 1933 ein großer Rüstungsbetrieb. Die Statistik: 95 Gebäude, 170 Munitionsbunker,
33 Kilometer Betonstraße, acht Kilometer Gleisanlagen, fünftausend Arbeitskräfte (auch reichlich Zwangsarbeiterinnen). Eine inter-
essante Reise rund um Mölln, auf der Lopau nicht nur Touristen und Gästen viel Wissenswertes über diese Stadt vermitteln konnte.



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