27-03-09
Wenn Opfer Krimineller in Not geraten
Schwarzenbek (br) – Alljährlich erinnert der »Tag der Kriminalitätsopfer« an die persönliche, rechtliche und wirtschaftliche Situation der durch Kriminalität und Gewalt geschädigten Menschen. An diesem Datum, dem 22. März, werden von der Opferschutzorganisation »Weißer Ring« weithin sichtbare Zeichen gesetzt, um auf die Situation der Betroffenen aufmerksam zu machen. Im Kreis Herzogtum Lauenburg hat der Außenstellenleiter Rainer Kaefert nun eine aufrüttelnde Bilanz vorgelegt. Im Jahr 2008 haben im Kreis 64 Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, Hilfe erhalten. Das sind 64 Menschen, denen durch andere ein Leid zugefügt wurde und die dadurch in Not geraten sind. »Die Organisation versteht sich als Lobby der Opfer, aber auch als Partner aller gesellschaftlichen Kräfte, deren Aufgabe es ist, den Gedanken der Opferhilfe umzusetzen«, sagt Kaefert dazu. Nicht nur die Gewalt gegen Erwachsene nimmt zu, oft sind es Jugendliche oder Heranwachsende, die zusammengeschlagen und ausgeraubt werden. Erschreckend ist auch die Brutalität von Mädchen, die gemeinschaftlich andere zusammenschlagen. Eine Steigerung ist außerdem bei den Vergewaltigungen unter Heranwachsenden zu erkennen. Wurde der »Weiße Ring« in den letzten Jahren im Kreis bei keinem dieser Fälle um Hilfe gebeten, waren es allein im Jahr 2008 fünf Fälle, in denen er geholfen hat. Im Bereich der Sexualdelikte wurden insgesamt 11 Opfer betreut. Hierunter fallen sexuelle Nötigung, Belästigung und versuchte Vergewaltigung. Im Bereich der Körperverletzungen wurde 24-mal geholfen.
»Die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft gilt auch heute noch ausnahmslos dem Täter und seinen Taten«, bedauert Kaefert. Die Konzentration auf Täter, Verdächtige, auf Kriminalitätsstrukturen und die verschiedenen Verbrechensformen verstellt dabei leicht den Blick auf die Opfer. »Wer Opfer ist, schreit sein Leid selten heraus«, weiß Kaefert zu berichten. Die Kriminalitätsopfer bleiben lieber in der Anonymität. Sie wollen nicht, dass ihr Schicksal auch noch in der Öffentlichkeit breitgetreten wird. Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass es den Opfern bereits schwer fällt, mit anderen Menschen über die Tat und ihre Folgen zu sprechen, doch wissen die Mitarbeiter des »Weißen Rings« auch, dass es noch schwerer ist, mit der Tat und den Folgen alleine zurechtzukommen. Wer durch eine Straftat zu Schaden gekommen ist oder Gewalt erfahren hat, braucht schnelle unbürokratische Hilfe und menschliche Zuwendung. Das kann der Verein mit seinen ehrenamtlichen Helfern leisten, indem er menschlichen Beistand und persönliche Betreuung nach der Straftat, Hilfestellung im Umgang mit Behörden und Unterstützung bei materiellen Notlagen im Zusammenhang mit der Straftat gibt. Die Mitarbeiter begleiten zu Gerichtsterminen, vermitteln Hilfen andrer Organisationen und regeln die Übernahme der Anwaltskosten und gegebenenfalls Zuschüsse für einen Erholungsurlaub bei besonders schweren Straftaten.
Bundesweit hat der »Weiße Ring« 59.000 Mitglieder, im Kreis Herzogtum Lauenburg sind es 252. Er finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Zuweisung von Bußgeldern durch die Gerichte und testamentarische Verfügungen. Staatliche Zuschüsse nimmt der Verein nicht in Anspruch.