28-06-10
Bürgermeister Harald Heuer wirft das Handtuch
Lauenburg (gak) – »Ich laufe nicht vor der Arbeit und der Bevölkerung davon, ich laufe vor der Stadtvertretung weg«, sagte resigniert Bürgermeister Harald Heuer. Er hatte seinen Rücktritt zum März 2011 in der nicht öffentlichen Hauptausschusssitzung mitgeteilt. Dann wird er von der Vorruhestandsregelung für Beamte (er wird am 7. März dreiundsechzig Jahre) Gebrauch machen.
»Es gibt keine Kontinuität in der Stadt. In den ersten zwei Jahren nach der Wahl im Mai 2008 sind bereits über die Hälfte der Stadtvertreter ausgewechselt worden«, bemängelte er eine verlässliche und nachhaltige Zusammenarbeit. Die Stadtvertretung setzt sich wie folgt zusammen: CDU zehn, SPD neun, FDP und Grüne jeweils zwei Sitze. Insbesondere der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Dittmer sei wiederholt an die Öffentlichkeit getreten und habe die Verwaltung angegriffen. Aber auch der Ärger über das Abstimmungsergebnis von CDU und FDP sowie der nachfolgende Bürgerentscheid, der zur Ablehnung des Schrägaufzugs führte, sitzen bei ihm tief. »Das war ein einschneidendes Erlebnis«, sagte er. Bürgmeister Heuer resümierte: »Ich bin dafür, Traditionen und Erinnerungen hochzuhalten, aber eine Stadt muss auch in die Zukunft blicken, sonst kann sie nicht überleben.«
Fünfundzwanzig Jahre als Bürgermeister, fünf in Amelinghausen, zwölf in Scharnebeck und nunmehr acht Jahre in Lauenburg hat er hinter sich. »Die acht Jahre in Lauenburg waren die schwierigsten. Und dies nicht wegen der finanziellen und wirtschaftlichen Situation, sondern wegen der politischen Konstellation«, bemerkte er. Obgleich seine Frau ihm anfangs noch Mut machte, die Amtszeit durchzuhalten, stehe diese nun hinter seiner Entscheidung, berichtete er. Schlaflose Nächte, Anfeindungen von politischen Freunden und Gegnern sowie Bespitzelungen haben den Bürgermeister mürbe gemacht. »Als ich mich vor der Wiederwahl als Bürgermeister um den Posten als Landrat bewerben wollte, hätten mich einige am liebsten sofort aus dem Rathaus gejagt«, erinnerte er sich. »Ich bin froh, dass ich die Entscheidung los bin«, sagte er mit ernstem Gesicht.
Natürlich wird er seine Amtsgeschäfte wie gewohnt fortführen. Sein Nachfolger steht noch nicht fest, fachliche Voraussetzungen gibt es nicht, jedoch darf er bei Amtsantritt nicht älter als sechzig Jahre sein. Einmalig im Kreis ist die Entscheidung eines Bürgermeisters zum Rücktritt. Harald Heuer ist erfreut über die positive Resonanz, die seine Entscheidung hervorrief: »Vertreter aus der Industrie und auch der Landrat, haben mich angerufen und mir ihr Bedauern, aber auch ihr Verständnis für meine Entscheidung ausgesprochen.«